Missbrauch

Barbara Rheinbay in den Bergen

Es war ein sonniger Tag als ein leicht gebückter Mann Mitte 30 vor mir stand und sagte: „Ich bin Josef Peters. Wir haben heute einen Termin“. Nachdem wir es uns gemütlich gemacht hatten, sah ich vor meinem geistigen Auge, dass er traumatische Erfahrungen in seiner Kindheit erlebt hatte. Und ich sah eine Fee, die sehr eng mit Josef verbunden schien und zu der er offenbar einen innigen Kontakt haben musste. Dann sah ich Josef als kleines Kind, er wurde missbraucht. Immer wenn er diesen Missbrauch erlebte, zog die kleine Fee ihn in die Anderswelt.

Ich erzählte ihm was ich sah und er bestätigte, dass es offenbar in seiner Kindheit für ihn schlimme Ereignisse gab, an die er sich nicht erinnern konnte. Als ich ihm von der Fee an seiner Seite berichtete, zeigte er sich überrascht und erzählte mir seinerseits, dass er in seiner handwerklichen Tätigkeit immer wieder Feendarstellungen kreierte, die er sich eigentlich nicht erklären konnte, da er in seinem Bewusstsein keinen besonderen Bezug zu Feen hat. Das war unsere erste Sitzung. In den nachfolgenden Sitzungen die sich über ein halbes Jahr erstreckten, bestand meine Arbeit darin, ihm detailliert zu beschreiben was in seiner Kindheit geschehen war und woran sich sein Verstand nicht erinnern wollte. Ich beschrieb ihm das Haus und den Treppenaufgang. Den Postboten der an der Tür klingelte. Das Wohnzimmer in dem der sexuelle Missbrauch stattfand. Und ich erlebte für ihn die Situation in der er sich als schutzloses Kind befand. Ich weinte, doch Josef fühlte nichts, außer Mitgefühl für mich. Nach einem halben Jahr wollte ich unsere Sitzungen beenden, denn ich erkannte keinen Fortschritt für ihn darin. Doch Josef bat mich, weiterzumachen. Er konnte sich wieder an das Haus erinnern und sogar an die Einrichtung des Wohnzimmers, sowie an bestimmte dort stattfindende Ereignisse, ihm fehlte jedoch die emotionale Regung dazu. So arbeiteten wir weiter. Nach gut einem dreiviertel Jahr meldete er sich bei mir und berichtete, dass er sich nach der letzten Sitzung mehrfach übergeben musste. Außerdem habe er Ausschläge. Er war bereits bei einem Arzt, doch der konnte keine ernsthafte Erkrankung feststellen, so dass mein Klient diese körperlichen Symptome als Zeichen unserer Arbeit wertete. Er meinte, es kommt etwas in den Fluss, Barbara. Wir müssen unbedingt weitermachen und im Thema bleiben. Bei der darauffolgenden Sitzung war es dann soweit. Der Knoten platzte und Gefühlsregungen kamen sichtbar hoch. Endlich konnte Josef weinen. Es war auch für mich eine Befreiung! Josef rief mich einige Zeit später an und berichtete mir, dass es ihm gut gehe und er auch wieder mit einer Frau zusammen sein kann.

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